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Pressemitteilung

Einen wie ihn hätte jeder gern behalten
Zum Tod des Komponisten Franz Bartzsch
Birgit Walter in der Berliner Zeitung am 07.01.2010

Franz Bartzsch würde heute nicht betrübt zurückschauen und resümieren: Hätte ich das geahnt, diesen impertinenten und ungerechten frühen Tod mit 62 Jahren, dann hätte ich anders gelebt. Franz Bartzsch war der Genießer unter den Komponisten - ausgleichend, freundlich, in sich ruhend. Einer, der das Leben liebte, feinen Rotwein, französische Küche und die Provence, der gute Sängerinnen schätzte und schöne Frauen, der seinen Kindern und Enkeln verfallen war. Er war einer, den jeder gern hatte, angeblich sogar seine drei Ex-Frauen, der seinen 60. Geburtstag mit Freunden und Familie volle drei Tage lang feierte. Wie oft kommt das vor, im Show-Geschäft.

Franz Bartzsch wollte nie etwas anderes sein als das, was er war, der Schöpfer dieser unglaublich beliebten, nun, nennen wir es mutig: Pop-Perlen. Das ist ein von billigen Schlagerhanseln oft missbrauchter Begriff, nimmt man ihn aber wörtlich, beschreibt er die filigran gemeißelten und mit überraschenden Harmonien überhäuften Ohrwurm-Lieder von Franz Bartzsch ganz treffend. Es sind beseelte Lieder, die im deutschen Osten jedes Kind mitsingen konnte und die dort bis heute jeder kennt: "Auf der Wiese", "Wenn ich eine Schneeflocke wär'" oder "Klavier im Fluss" - wenn man das Schlager nennt, dann sind Schlager herrlich.

Franz Bartzsch selbst hatte kein Problem, wenn seine Musik ins Schlagerfach eingeordnet wurde. Er wusste, das sind sie eher nicht - zu schwer nachzuspielen und mit zu vielen klassischen Elementen. Aber eigentlich, sagte er, komme es vor allem darauf an, wie die Titel gesungen werden: "Auch der große Hit-Lieferant Billy Joel schreibt ja wohl Schlager, aber er singt sie nicht so."

Franz Bartzsch' Lieder wurden vor allem von Veronika Fischer gesungen, sie haben die Sängerin mit der kühlen Stimme weltberühmt gemacht in der DDR. Damals, in den 1970er Jahren, dachten alle, sie würde immer so weiter gehen, die Zeit von Franz Bartzsch am Keyboard und Veronika Fischer am Mikrofon der gemeinsamen Band, und in der Erinnerung scheint sie immer noch endlos mit ihren ständigen Nummer-eins-Hits. In Wahrheit dauerte sie nur drei Jahre und zwei Schallplatten lang, 1977 war Schluss mit dem Dream-Team. Aber nicht, wie oft kolportiert, weil Franz Bartzsch in den Westen ging.

Das war erst drei Jahre später und überdies völlig ungeplant. "Mir ging es doch gut, ich hatte Erfolg, war privilegiert mit meinem Reisepass. Vieles war natürlich nervig, aber wirklich weg wollte ich eigentlich nie." Erst nach einem Vorfall an der Grenze, als sein Kollege Jürgen Ehle festgehalten wurde, weil bei ihm Westgeld gefunden worden war, für das er im Westen Gitarrensaiten kaufen wollte. Als der Musiker verhaftet wurde wie ein Schwerverbrecher mit fünf Kilo Koks, während die West-Berliner in ihren Autos so selbstverständlich die Grenze passierten, wie freie Bürger das eben tun, da wollte Franz Bartzsch plötzlich nicht mehr bleiben. Da spürte er die Willkür, stellte sich vor, wie schnell es auch mit seinen Reisen vorbei sein könnte und und blieb einfach in West-Berlin.

Das hatte die DDR nicht gewollt. Einen wie ihn wollte sie doch behalten. Er war so ein friedfertiger Bürger, trompetete keine unerwünschten Meinungen heraus, war nicht so rebellisch wie die Rocker und seine Musik liebten Millionen. Die DDR schickte ihm einen Funktionär von der Konzert- und Gastspieldirektion hinterher, er sollte ihn mit einem Dauerpass ködern und zurückholen. Bartzsch ging mit ihm zum Italiener und nach dem vierten Schnaps sagte der Funktionär: "Wenn ich so jung wäre wie du, würde ich auch hier bleiben."

Bartzsch, geboren 1947 in Schmölln, war 33 und seine Familie blieb zurück: "Ich habe sie im Stich gelassen, das ist nichts, worauf ich stolz sein kann", sagte er später. Doch die neue Freiheit ist ihm bekommen. Er arbeitete anfangs als Studio-Musiker, schrieb dann für Udo Jürgens, Roland Kaiser, Boney M. ("I feel good"), verlegte sich auf Filmmusik und hat noch im letzten Jahr eine Kinderplatte mit Angelika Mann aufgenommen "Henriette Bimmelbahn" nach James Krüss. Er hatte noch viel vor, als am Dienstag plötzlich sein Herz die Arbeit einstellte. Er wurde in Britz in seinem Auto aufgefunden, auf einem Parkplatz. Die Bestürzung seiner Umgebung könnte kaum größer sein.

PS: Danke für die lieben Worte
Fam. Bartzsch